Anbieter einer Autoversicherung kritisieren Sanktionssystem
Es liegt in der Natur des Geschäfts, dass wohl kaum eine Branche mehr über die Risiken auf deutschen Straßen weiß als die der Versicherer. Tag für Tag muss sich eine Autoversicherung mit den Gefahren des Straßenverkehrs auseinandersetzen. Dementsprechend intensiv muss und will sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit der Unfallforschung beschäftigen. Jetzt hat der Verband in einem Forschungsprojekt die häufigsten Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung kritisch mit deren Verfolgung verglichen.
Autoversicherung: Für 90 Prozent der Unfälle gibt es nur fünf Ursachen
Als Grundlage der Analyse dienten 290.000 Unfalldaten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Diese zeigen, dass gerade einmal fünf Unfallursachen verantwortlich für nahezu 90 Prozent aller Schäden sind. Zu den fünf Ursachen gehören überhöhte Geschwindigkeit, die Missachtung der Vorfahrtsregeln, Abbiegefehler sowie zu wenig Abstand zum Vordermann und Fahren unter Alkoholeinfluss.
Dass die verheerendsten Unfälle durch zu hohe Geschwindigkeit und Alkohol entstehen überrascht dabei ebenso wenig wie die Erkenntnis, dass hier die Unfallverursacher selbst am häufigsten zu Schaden kommen. Deutlich häufiger, aber mit weitaus weniger gravierenden Konsequenzen, geschehen Unfälle durch die Missachtung von Abstands- und Vorfahrtsregeln.
Kaum Korrelation zwischen Strafen und Schäden für die KFZ Versicherung
Dieser Unfallstatistik stellt der GDV eine Untersuchung der Daten im Flensburger Zentralregister zu Verkehrsdelikten gegenüber. Als Interessensvertreter der Autoversicherung erwartet dieser hier, dass die häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen auch am strengsten geahndet werden. Allerdings ist dem in der Realität nicht so: Einzig bei Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss besteht ein Zusammenhang zwischen der Schwere der Strafe und der Unfallhäufigkeit.
98 Prozent der Eintragungen im Flensburger Register sind Ordnungswidrigkeiten und ein Großteil davon sind Geschwindigkeitsüberschreitungen. Ein kompletter Entzug der Fahrerlaubnis oder Fahrverbote werden hingegen sehr selten verhängt. Vom GDV hagelt es demzufolge harsche Kritik: Die Autoversicherung reguliert die meisten Schäden durch Unfälle im Straßenverkehr und fordert daher dringend eine Angleichung des Sanktionenkatalogs an die Schadenstatistik. Im Zuge dessen solle sich die Politik auf die fünf häufigsten Unfallarten konzentrieren und entsprechende Verstöße deutlich härter bestrafen.
